/ presse


Kieler Nachrichten 27.09.2018

 

Frauenpower für Europa und den Jazz

Das Alison Rayner Quintet und das Sir Bradley Quartett

jazzten im Kieler Kulturforum gegen den Brexit

von Jörg Meyer

 

KIEL

An Antidote to Brexit nennen das Londoner Alison Rayner Quintet und

das Sir Bradley Quartett aus Hamburg ihre kleine Deutschland Tour auf

deren letzter Station sie im Kieler Kulturforum Halt machten Sieben Jazz

Musikerinnen und zwei Musiker wollen in Zeiten des drohenden Brexit

ein Zeichen setzen für eine grenzüberschreitende gemeinsame europäische

Kultur. Was wäre dafür besser geeignet als europäischer Jazz gespielt mit

Frauenpower und zugleich Poesie. Damit die Sonne weiter über ganz Europa

scheine auch über der britischen Insel begeben sich die Hamburgerinnen

Doro Offermann Saxofon, Luise Determann Gitarre, Maria Rothfuchs Kontrabass

und Annette Kayser Schlagzeug gleich zu Beginn auf den Suntrip mit

burschikosem Groove und weiblicher Intuition für die melodische Poesie

des Modern Jazz. Bei Trip denkt frau nicht von Ungefähr auch an einen Rausch

der aus loopen dem Bass Riff vorwärts drängenden Impros auf Sax und Gitarre

und den mit britisch hanseatischem Understatement geschlagenen Drums eine

so gleich in den Song ziehende Magie entfaltet. Oder an die musikalische Wirkung eines

süd europäischen Kräuterschnapses namens Hierbas wo der Kater den frau davon

bekommt nicht kläglich maunzt sondern die Krallen auf dem frau gestrichenen Bass

und den licht glühenden Becken zeigt. Auch an der Stellschraube Tempo lässt sich

drehen denn die folgenden Stücke ähneln sich harmonisch stark. Während in

RainbowMountain die Anden Nebel sanft steigen laden sie in Skullrace zum rhythmisch

vertrackten Hexentanz. Das Publikum spart nicht mit Szenenapplaus für die Soli und

fordert eine außerplanmäßige Zugabe...


Die London Hamburg Jazz Connection im Kulturforum

mit dem Sir Bradley Quartett und Alison Rayner Quintet,

Quelle: mwe: Manuel Weber, Kiel

 

Der erste Eindruck
Starke Frauen geben nicht nur Europa, sondern auch dem Jazz neue Impulse. Dass im Sir Bradley Quartett nur Frauen musizieren und dabei die ihnen ureigene Power mit Poesie verbinden, macht Mut für die Vereinigung der Länder und der Menschen.

 

Das Programm
Die Hamburgerinnen, die sich allzu bescheiden als „Vorband“ der Londoner Kolleginnen bezeichnen, begreifen Jazz ohnehin als international. Ihr „Sun Trip“ lässt die Sonne regenbogig quer durch die vielfältigen Sounds und Traditionen leuchten. Mit „Hierbas“, einer Hommage an den gleichnamigen südeuropäischen Kräuterschnaps, entfachen sie einen Rausch, der blue-notend glimmt wie die Europa-Fahne. (…)

 

Das Publikum
Die engagierten Soli erzeugen beim Kieler Publikum spontanen Szenenapplaus, mehr als sonst üblich. Kein Wunder, denn das Publikum spürt und goutiert mit manchem Bravo, wie sich die Damen …für eine gemeinsame Idee ins Zeug legen.

 

Fazit
Auch wenn der Brexit kommt – weich oder chaotisch –, er wird uns nicht entzweien. Jazz setzt hier ein Zeichen für das Gemeinsame und das schon immer Grenzüberschreitende von Musik und Kultur...

 


MelodivaKRITIK

Autorin: Marion Möhle

19.09.2018

 

(...)

Nun aber zum Auftritt des Sir Bradley Quartetts, in dem neben Maria Rothfuchs die Schlagzeugerin Annette Kayser, die Saxophonistin Doro Offermann und die Gitarristin Luise Determann für Begeisterung sorgten. Den Auftakt machte Maria Rothfuchs mit einem Bass-Solo, das durch melodische Linien des Tenorsaxophons abgelöst wurde, bevor sich daran ein überraschend rockiges Gitarrensolo anschloss. Und dabei blieb es nicht – denn das ist typisch für das Sir Bradley Quartett. Lyrische Passagen gleiten scheinbar unbemerkt in schnelle, rauhe Grooves über, die sich steigern und verdichten – um dann wieder in soften Sounds zu landen. So zum Beispiel in dem Titel „Hierbas“, eine Hommage an den gleichnamigen spanischen Kräuterschnaps. Hier gehen sphärische Sounds in ein wahres Gewitter eines Uptime Grooves über, über den Doro Offermann ein zupackendes, überzeugendes Saxophon-Solo bläst, bevor dann Annette Kayser ein Drum-Solo landet, das für Begeisterung sorgt.

Und immer wieder gab es Überraschungen, so wie in dem von der gerade mal 26jährigen Gitarristin Luise Determann komponierten Titel „Vinicunca Mountain“ , der eine fernöstliche Anmutung hatte und vor allem durch das gestrichene Bass-Solo von Maria Rothfuchs überzeugte. Auch die noch folgenden Titel sorgten für Begeisterung, so dass das Publikum sich überrascht zeigte, als Maria Rothfuchs das letzte Stück ankündigte. Klar, dass dann eine Zugabe gefordert wurde, aber mit Rücksicht auf das dann noch folgende Alison Rayner Quintet wurden die ZuhörerInnen auf künftige Konzerte vertröstet.